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22.11.2017 : 15:18 : +0100

UN warnen vor Zunahme extremer Wetterphänomene

Anlass sind die aktuellen Fluten in Pakistan, die Feuer in Russland, die brechenden Eisberge - sieheOpens internal link in current window hier

UN warnen vor Zunahme extremer Wetterphänomene

Experten sind sich sicher: Die Hitzewelle in Russland und die durch Regenfälle ausgelöste Hochwasserkatastrophe in Pakistan hängen zusammen. HiereinOpens external link in new window Welt Online Artikel

Vor dem Hintergrund der gerade stattfindenden Klimaereignisse kann es nicht sein, dass in Europa weiterhin Kohlekraftwerke gebaut werden. Das was in unterschiedlichen Szenarien für die Zukunft prognostiziert wurde findet gerade in verschiedenen Teilen der Welt statt. Die Klimakatastrophe ist da!!!! Afrika ist für nicht einmal vier Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Die Klimaänderung wirktOpens external link in new window hier aber verheerend.

Strom aus schmutziger Kohle

13.07.2010 aus der TAZ

ÖKOSTANDARDS Deutsche Energiekonzerne verfeuern Steinkohle, die in Kolumbien unter miesen Bedingungen abgebaut wird, so die Bürgerrechtsorganisation DanWatch

VON HANNES KOCH

Für Peter Bengtsen ist es mehr als ein Verdacht: "Deutsche Energiekonzerne verwenden in ihren Kraftwerken Steinkohle aus der kolumbianischen Mine El Cerrejon." Bengtsen arbeitet bei DanWatch, einer unabhängigen Organisation, die beobachtet, wie und wo multinationale Unternehmen investieren und produzieren. Nach deren Informationen werden die Rechte der Anwohner und Arbeiter in El Cerrejon seit Jahrzehnten missachtet.

Dokumentiert hat DanWatch die Vorwürfe in der Broschüre "Der Fluch der Kohle". "Unseren Recherchen zufolge hat Cerrejon dazu beigetragen, dass Anwohner der Mine gewaltsam und ohne Entschädigung ihr Eigentum und ihren Lebensunterhalt verloren", sagt Bengtsen. Belegt wird das durch Zeugenaussagen von Betroffenen, beispielsweise von Emilio Ramón Peréz Díaz, der bis 2001 in dem Dorf Tabaco nahe der Mine wohnte. Er schildert, wie "Polizei, Militär und bewaffnete Zivilisten" kamen und ihn aus dem Haus vertrieben, um es abzureißen.

El Cerrejon im Norden Kolumbiens ist der größte Steinkohle-Tagebau der Welt. Er gehört den Konzernen Anglo American, BHP Billiton und Xstrata. Dort abgebaute Kohle wird auch in Deutschland verwendet. So erklärt Eon-Sprecherin Julia Harms, das Unternehmen kaufe "jährlich durchschnittlich rund vier Millionen Tonnen aus Kolumbien, wovon ein großer Teil aus Cerrejon stammt". Sebastian Rötters von der Menschenrechtsorganisation Fian hält es für "sehr wahrscheinlich, dass RWE und Vattenvall ebenfalls Steinkohle von dort beziehen". RWE-Sprecher Jürgen Frech will sich dazu nicht konkret äußern. Er betont, dass die "Geschäftsbeziehungen zu einzelnen Bergwerken vertraulich" seien. Und Vattenfall-Sprecher Steffen Herrmann erklärt, dass sein Unternehmen "zurzeit keine Kohle aus Cerrejon" kaufe.

Unabhängig von den konkreten Lieferbeziehungen ist das Thema "El Correjon" in der deutschen Energiewirtschaft aber bestens bekannt. So sagt Eon-Sprecherin Harms: "Im Mai 2010 haben wir ein Audit in den kolumbianischen Abbaugebieten einschließlich des Cerrejon-Bergwerks durchgeführt." Danach hätten die Betreiber der Mine einiges verbessert, einiges bleibe aber noch zu tun.

Diese Einschätzung teilt John Harker, Präsident der kanadischen Cape Breton Universität und Experte für Konfliktfälle in der Wirtschaft. Er handelte ein Abkommen zwischen den Anwohnern und dem Minenunternehmen aus. Inzwischen habe das Unternehmen alle zugesagten Entschädigungen ausgezahlt, sagt Harker. Allerdings habe es Tabaco noch nicht an anderer Stelle wiederaufgebaut, was auch Teil des Abkommens ist. Laut Cerrejon-Vorstand Leon Teicher wartet das Unternehmen nur noch auf die Zustimmung des Gemeinderats: "Cerrejon hat die benötigten Grundstücke dieses Jahr gekauft." Bei anderen Dörfern gibt es allerdings bisher keine Umsiedlungsverfahren - die betroffenen Bauern müssen weiter warten.

Umstritten ist, ob das Unternehmen genug Anstrengungen unternimmt, die Umweltbelastung zu verringern. Aus der offenen Mine sowie von den riesigen Baggern und Lkws treibt ständig Staub über das Land. Dem Bericht von DanWatch zufolge berichten Arbeiter, Anwohner und Ärzte über häufige Fälle von Asthma und Lungeninfektionen. Atembeschwerden bei Kindern träten in der Nähe der Mine viermal häufiger auf als an anderen Orten der Region.

Cerrejon-Vorstand Teicher dagegen sagt, dass die Feinstaubkonzentration in der Luft den nationalen Grenzwert von 60 Millionstel Gramm pro Kubikmeter Luft im Tagesdurchschnitt nicht übersteige. DanWatch zitiert dagegen Zeugen, die die niedrigen Messwerte darauf zurückführen, dass die Regierung das Unternehmen warne, bevor Messungen stattfänden. Dann habe Cerrejon Zeit, die Gebiete rund um die Messstationen mit großen Mengen Wasser zu besprühen, um die Staubbelastung kurzfristig zu drücken.

Arbeiter und Anwohner klagen über Asthma und sich häufende Lungeninfekte

"Menschenunwürdige Schlafgelegenheiten

Die Männer, die auf der Baustelle des neuen Kohlekraftwerks Moorburg arbeiten, leben unter unwürdigen Bedingungen. Das zuständige Bezirksamt schlägt vor, sie auf einem ehemaligen Asylantenschiff unterzubringen.Jeden Morgen um die selbe Zeit rollt ein kleiner Lastwagen durch die Eddelbüttelstraße in Hamburg-Harburg und hält vor dem Haus ganz am Ende der Straße. Die Nachbarn können dann beobachten wie etwa 50 dunkle Gestalten durch die Dämmerung schlurfen. Sie steigen in den Wagen, der wenige Momente später wieder verschwindet. Nachbarn, die versuchten Kontakt zu den Gestalten aufzunehmen scheiterten. Kaum einer der Arbeiter, die sich von hier aus täglich auf den Weg zur Vattenfall-Baustelle in Moorburg machen, spricht deutsch.Insgesamt 850 Arbeiter sind auf der Baustelle für das neue Kraftwerk beschäftigt. Bis nächstes Jahr sollen es 2.500 werden. "Ich weiß nicht, wie man sich das vorgestellt hat," sagt Torsten Meinberg, Leiter des Harburger Bezirksamts, "wo sollen die alle unterkommen?" Ein Sprecher von Vattenfall erklärte, dass man sich dafür nicht zuständig fühle. Unterkunft und Anreise der Arbeiter lägen in der Hand der Sub-Unternehmer.Wenn der Lastwagen die Arbeiter abends vor dem Eckhaus in der Eddelbüttelstraße wieder absetzt, erwartet sie wenig Ansehnliches. Die Schlafgelegenheiten sind, wie es einer der Bewohner des Hauses ausdrückt, "menschenunwürdig".Der Geruch von alten Bier und Urin liegt in der Luft. In den oberen Stockwerken ist der Gestank am schlimmsten. Ohne jegliche Privatsphäre wohnen die Arbeiter hier auf engsten Raum zusammen. Bis zu sechs Männer schlafen in einem kleinen Zimmer. Acht Männer teilen sich eine 53 Quadratmeter große Wohnung mit spärlichem Bad. Der Rand der kleinen Dusche ist von einer dicken schwarzen Schimmelschicht überzogen.Obwohl es eine Koch-Nische gibt, habe er in den knapp sechs Monaten, die er hier lebt, noch nicht einmal gekocht, sagt einer der Arbeiter. Es sei ihm zu schmutzig. Außerdem gebe es weder Besteck noch Geschirr.Auch das Bezirksamt Harburg interessiert sich für die Unterkunft. Am Dienstag haben Mitarbeiter des Amtes gemeinsam mit der Polizei die Wohnräume besichtigt. Gegen den Eigentümer werde jetzt ermittelt, hieß es kurz darauf aus dem Amt. Das Gebäude sei als Wohnhaus deklariert und für kurzfristige Unterbringung nicht geeignet. Es fehlten beispielsweise Flucht- und Rettungswege.Auch andere Arbeiter der Baustelle seien unglücklich untergebracht, berichtet ein Subunternehmer. So wohnen einige beispielsweise in einem leer stehenden Asylbewerberheim im Landkreis Harburg und müssen täglich einen umständlichen Shuttleservice in Kauf nehmen. Um Abhilfe zu schaffen, brachte das Bezirksamt zuletzt den Vorschlag auf, die Arbeiter auf dem ehemaligen Asylantenschiff "Bibby Altona" unterzubringen. Bis jetzt konnte jedoch noch kein geeigneter Standort für das Wohnschiff gefunden werden."

taz 19.02.2009